Digitale Mammographie:

Wirklich besser,
gleich gut
oder vielleicht schlechter
als die konventionelle Filmtechnik?

Inhalt

Editoral (Kommentar Dr. Koubenec)

Mammographie: Digital oder konventionell?

Was ist neu an der digitalen Mammograhie?

Angebliche Vorteile der digitalen Mammograhie

Geringere Strahlenbelastung

konstant gute Bildqualität

Bessere Kontrastauflösung

höhere Nachweisrate von Mikroverkalkungen

bessere Beurteilbarkeit bei drüsenreichem Brustgewebe

Digitale Nachbearbeitung der Mammogramme

Computer-  Assistierte Diagnose (CAD)

Geringere Kompression der Brust während der Aufnahme

Kürzere Untersuchungsdauer

Bessere Beurteilbarkeit bei Brustimplantaten

Weniger Wiederholungsaufnahmen

Nachteile der digitalen Mammographie

Schlussfolgerungen

Quellen

Fragen und Anregungen: Kontakt zum Autor

Editorial

(Kommentar des Websitebetreibers Dr. H.-J. Koubenec, Impressum)

In vielen Bereichen können wir zur Zeit eine "digitale Revolution" erleben: Musik-CDs, Uhren, Film-DVDs, Fernsehen, Fotographie. Viele elektronische Geräte werden auf Digitale Systeme umgestellt, nicht ohne Grund. Die digitale Technik bietet viele Vorteile. In der Fotographie hat die digitale Technik ihren Siegeszug schon begonnen, aber jeder, der sich ein bisschen mit den technischen Einzelheiten beschäftigt hat, weiß, dass die Ergebnisse eines Farbfilms mit keiner Digitalkamera erreicht werden, auch wenn sie 5 Mio. Pixel hat. Ein Film ist einfach noch feiner und bildet noch mehr Punkte nebeneinander ab. Außerdem ist ein Film bezüglich des Umfanges der Helligkeit jeder Digitalkamera überlegen. An einen Röntgenfilm werden nun noch besonders hohe Anforderungen bezüglich der Abbildungsqualität gestellt. Die Techniker haben es aber geschafft, für die Röntgen-Mammograhie einen Bildaufnehmer zu entwickeln, der die Röntgenstrahlen digital aufnimmt und den Film ersetzt. Die ersten Geräte sind unter Auflagen für die Mammograhie zugelassen worden, obwohl sie in den Abbildungseigenschaften noch nicht ganz die Eigenschaften eines Film-Foliensystems erreichen. Einige Kliniken und Röntgenpraxen haben sich diese teuren Geräte inzwischen angeschafft und werben kräftig damit, dass die digitale Technik der "alten" Filmtechnik überlegen sei. Technisch gesehen ist die neue Technik unzweifelhaft überlegen. Doch das ist nicht gleichbedeutend mit einer diagnostischen Überlegenheit in der Früherkennung von Brustkrebs. Die werbende Darstellung der Vorteile des neuen Verfahrens sind möglicherweise übertrieben, oder sogar falsch! Dies meint zumindest Prof. M. Friedrich, ein anerkannter Experte für Brustdiagnostik. Er setzt sich anhand eigener Untersuchungen im folgenden kritisch mit dem Wert der digitalen Mammographie auseinander und kommt zu dem Schluß, dass sie beim derzeitigen Stand der Technik keine Vorteile für die Patientinnen bringt und es sich nicht lohnt, dafür extra als sog. IGEL-Leistung zu bezahlen. Für die Qualität einer Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung sei der befundende Arzt ausschlaggebend und nicht die eingesetzte Technik.

Dennoch wird die digitale Technik weiter entwickelt werden und eines Tages an die Qualität der konventionellen Filmtechnik heranreichen. Dann werden die Geräte auch billiger werden und die Film-Mammograhie als Kassenleistung ersetzen.

 

Mammographie:

Digital oder konventionell mit Film?

 

Autor: Prof. Dr. M. Friedrich (Impressum)
Quellen: s. Quellen und eigenes Expertenwissen

Was ist neu an der digitalen Mammographie?

Wie bei der digitalen Photographie ist bei der digitalen Mammographie der Film, d. h. das Bildspeichermedium, durch einen digitalen Bildempfänger (Detektor) ersetzt. Dieser besteht aus vielen kleinsten Bildspeicherelementen (Bildelement engl.: picture element, sog. "pixel"), welche die Röntgenbildinformation digital übertragen. Digital heißt, das Bild  liegt als Matrix aus vielen Zahlenwerten vor. Ist damit per se für Sie als Patientin ein diagnostischer Vorteil der digitalen Mammographie verbunden? Nein!

Bei der digitalen Mammographie wird wie bei der herkömmlichen Mammographie ein Schattenbild der Brust durch weiche Röntgenstrahlung auf einem Bildempfänger erzeugt. Es wird dadurch grundsätzlich keine andere diagnostische Information erzeugt als mit der herkömmlichen Mammographie.

 Das diagnostische Hauptproblem der Mammographie, nämlich die eingeschränkte Beurteilbarkeit des Mammograms bei drüsenreichem dichtem Brustgewebe, besteht bei digitaler Mammographie genauso fort wie bei der herkömmlichen Mammographie!

 

Angebliche Vorteile der digitalen Mammographie

Nachteile der digitalen Mammographie

 

  •  schlechteres Ortsauflösungsvermögen
  • Ein Nachteil der digitalen Mammographie ist das schlechtere Ortsauflösungsvermögen. Dies wird bei der Diskussion um die digitale Mammographie oft verschwiegen. Das schlechte Ortsauflösungsvermögen (max 5 Lp / mm) beruht auf der Tatsache, dass die digitalen Bildelemente (Pixel) bisher nicht so klein gemacht werden konnten, dass sie im Auflösungsvermögen der Zeichenschärfe eines herkömmlichen Film-Folien-Systems für die Mammographie entsprechen. Die Erkennbarkeit feinster Gewebestrukturen, z. B. dünner Bindegewebssepten, die von Krebsknoten konzentrisch ausstrahlen, oder der Form von Mikroverkalkungen können mit der digitalen  Mammographie nicht so deutlich erkannt werden wie mit der herkömmlichen Mammographie!
     

  •  geringerer  Schwärzungsumfang des Hardcopy-Films
  • Der Schwärzungsumfang des Laser-Imager-Hardcopy-Films ist in der Regel geringer (0 - 3,2 optische Dichte) als beim herkömmlichen Mammographiefilm (0 - 4 optische Dichte) . Es stehen somit weniger Graustufen zur Darstellung des Drüsengewebes in einem Mammogram zur Verfügung.
     

  •  Kosten des digitalen Mammographiegerätes
  • Ein digitales Vollfeld-Mammographiesystem ist mehr als dreimal so teuer wie ein herkömmliches Mammographiesystem, ohne eine größere diagnostische Bildinformation zu liefern.
     

  •  begrenztes Aufnahmeformat
  • Das derzeit am Markt verbreitetste Vollfeld-Mammographiesystem ist durch den digitalen Detektor auf eine Bildfläche von etwas größer als 18 x 24 cm begrenzt. Dies bedeutet, dass große Brüste damit nicht abgebildet werden können!
     

    Welche Schlüsse können Sie für sich ziehen?

    1. Die Vorteile (Fortschritte) der digitalen Mammographie liegen vorwiegend auf technologischem Gebiet (schnellere Verfügbarkeit und elektronische Manipulierbarkeit der Bilder).
    2. Die digitale Mammographie ist mit keiner signifikant niedrigeren Strahlenbelastung gegenüber einer auf dosissparendem Film-Folien-System angefertigten herkömmlichen Mammographie verbunden!

    3. Der Nachweis der diagnostischen Gleichwertigkeit der digitalen Mammographie mit der herkömmlichen Mammographie trotz deutlich schlechteren Ortsauflösungsvermögens, ist immer noch Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen! In mehreren Studien konnte keine verbesserte Brustkrebsfrüherkennung mit der digitalen Mammographie gegenüber der herkömmlichen Mammographie nachgewiesen werden! 
    4. Die digitale Mammographie ist somit für Sie als Patientin mit keinem diagnostischen Vorteil verbunden! Sie bekommen dadurch keine bessere Brustkrebsfrüherkennung! Warum sollten Sie also für eine digitale Mammographie zusätzlich Geld ausgeben?
    5. Bedenken Sie auch, dass die bisherigen Errungenschaften in der Brustkrebsfrüherkennung durch Mammographie (Senkung der Brustkrebssterblichkeit) mit der herkömmlichen Film-Folien-Mammographie erzielt wurden, nicht mit der digitalen Mammographie!
    6. Orientieren Sie sich deshalb bei der Wahl Ihrer Brustkrebsfrüherkennungs-Mammographie nicht an der Art der technischen Anfertigung der Mammographie - digital oder nicht-digital -, sondern an der Qualifikation des die Mammographie beurteilenden Arztes!

     

    Quellen:

    Die hier gemachten Aussagen beruhen auf einer halbjährigen Erprobung eines sog. digitalen Vollfeld-Mammographiesystems. Es wurden Phantom-Testaufnahmen und Patientinnen-Aufnahmen ausgewertet. Die digitalen Mammographien wurden mit herkömmlichen Mammographieaufnahmen verglichen.

     

    Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben,

    können Sie den Autor unter folgender Adresse kontaktieren:

    Prof. Dr. Michael Friedrich
    Direktor des Institutes für Radiologie und Nuklearmedizin
    Vivantes Klinikum Am Urban
    Dieffenbachstr. 1
    10967 Berlin
    Tel.: 030 - 697 26 100
    Fax: 030 - 697 26 167
    E-Mail: Mich.Friedrich@gmx.de

    Stand: 23.06.2004